Audio-Interfaces für Einsteiger im Vergleich

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Kurz gesagt

  • Die meisten Fehlkäufe scheitern nicht am Klang, sondern an zu wenig Gain. Wer ein dynamisches Mikrofon betreiben will, braucht rund 60 dB Verstärkungsreserve. Mehrere Einsteigergeräte liefern deutlich weniger.
  • Der zweite Ärger ist banal und steht in keinem Datenblatt: Bei vielen Geräten schaltet das Einstecken des Kopfhörers die Boxen stumm oder beide hängen am selben Regler.
  • Wer nur eine Quelle aufnimmt, braucht keine zwei Eingänge. Wer singt und gleichzeitig spielt, braucht sie zwingend – nachrüsten geht nicht.
  • Ein Hinweis zur Einordnung: Die meisten Testberichte in dieser Klasse sind zwei Jahre alt oder älter. Wo das der Fall ist, steht es unten dabei.

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Woran Einsteiger-Interfaces in den Tests scheitern

Wenn man die Testberichte der letzten Jahre nebeneinanderlegt, tauchen drei Kritikpunkte immer wieder auf – quer durch Hersteller und Baujahre. Sie sind konkreter und nützlicher als jede Bestenliste, weil sie sich vor dem Kauf prüfen lassen.

1. Zu wenig Gain für dynamische Mikrofone

Dynamische Mikrofone geben ein deutlich leiseres Signal ab als Kondensatormikrofone. Der bonedo-Test des M-Audio M-Track nennt die Faustregel, dass dafür mindestens 60 dB Verstärkung nötig sind (bonedo, „M-Audio M-Track Solo & M-Track Duo Test“, 11.01.2021). Genau daran scheitern mehrere Geräte: Beim Steinberg UR22C müsse der Vorverstärker „quasi bis zum Anschlag aufgedreht werden und rauscht dann doch merkbar“ (bonedo, 25.11.2019), beim Behringer UMC204HD stoße man „an die Grenzen“ (bonedo, 30.07.2020). Welches Mikrofon zu dir passt, klärt vorher der Beitrag über Mikrofone und ihre Anschlüsse.

2. Rauschen im obersten Regeldrittel

Der maximale Gain-Wert allein sagt wenig, wenn das Gerät kurz davor zu rauschen beginnt. Beim M-Track setzt „im letzten Zehntel der Gain-Spanne sprunghaft ein sehr deutliches Rauschen“ ein (bonedo, 11.01.2021), beim RØDE AI-1 beginnt die Vorstufe „im letzten Verstärkungsdrittel doch stark zu rauschen“ (bonedo, 26.04.2018). Selbst beim sehr gut bewerteten Arturia MiniFuse setzt es im letzten Drittel ein, dort allerdings erst bei -60 dB (delamar, 13.01.2022). Was du beim Aussteuern daraus machst, steht im Beitrag zum Gain Staging – und wie du Störgeräusche systematisch findest, im Beitrag daneben.

3. Kopfhörer und Monitore hängen zusammen

Das ist der am häufigsten genannte Praxisärger dieser Geräteklasse. Beim Audient EVO 4 lautet der einzige Kritikpunkt des Tests „gegenseitige Stummschaltung von Kopfhörer und Lautsprecher“ (bonedo, 20.03.2020), beim RØDE AI-1 mutet das Einstecken des Kopfhörers ebenfalls die Monitorausgänge. Beim MOTU M2 geben Monitor- und Kopfhörerausgang zwingend dasselbe Signal aus, weshalb sich damit kein Reamping-Setup bauen lässt (delamar, 05.11.2020). Beim Focusrite Scarlett Solo der vierten Generation ist genau das behoben worden: Er hat erstmals einen eigenen Kopfhörerregler, vorher liefen beide Wege gemeinsam (delamar, 19.11.2023).

Wie viel Gain die Geräte tatsächlich liefern

Diese Tabelle beantwortet die eine Frage, an der die meisten Fehlkäufe hängen. Alle Werte stammen aus den unten verlinkten Tests, nicht aus Herstellerangaben – bei der PreSonus AudioBox ist der Unterschied besonders deutlich.

GerätMax. GainReicht für dynamische Mikrofone?
RØDE AI-145 dBnein
NI Komplete Audio 1 / 250 dBnein
PreSonus AudioBox USB 9652 dB gemessen (60 dB laut Handbuch)nein
M-Audio M-Track Solo54 dBnein
Behringer UMC204HD56 dBknapp
Arturia MiniFuse 156 dBknapp
Audient EVO 4 / iD4 MkII58 dBknapp
M-Audio M-Track Duo60 dBja
MOTU M260 dBja
SSL 2 MK264 dBja
Focusrite Scarlett 2i2 (4. Gen)69 dBja, mit Reserve

Der bonedo-Tester ordnet die 69 dB der Scarlett 2i2 so ein: „Zu diesem Budget bekommt man in Regel eher unter 60 dB“ (31.08.2023). Das ist der sachliche Grund, warum diese Serie so oft empfohlen wird – nicht die Farbe des Gehäuses.

Das Entscheidungsdiagramm

Diagramm in drei Spalten: was du aufnimmst, welches Interface du brauchst, worauf du beim Kauf achten musst
Drei Spalten: Aufnahmesituation, benötigte Ausstattung, Prüfpunkte vor dem Kauf.

Die Geräte im Einzelnen

Die Reihenfolge folgt keiner Rangliste, sondern den Einsatzfällen aus dem Diagramm oben. Zu jedem Gerät steht das Testurteil mit Quelle und Datum – so kannst du selbst einschätzen, wie aktuell die Einschätzung ist.

Focusrite Scarlett 2i2 (4. Generation) – der Allrounder

bonedo vergibt 4,5 von 5 und nennt die Serie den „Quasi-Standard im Home-Recording-Bereich“. Die 69 dB Gain sind der höchste Wert im Feld, zwei Eingänge decken Gesang und Gitarre gleichzeitig ab. Kritisiert werden ein nicht regelbares Mischverhältnis beim Direct Monitoring und fehlendes MIDI. Das Gerät ist class-compliant, für Sampleraten über 48 kHz braucht es aber Focusrite Control 2. Quelle: bonedo, „Focusrite Scarlett 2i2 4th Gen Test“, 31.08.2023. Scarlett 2i2 4. Gen bei Amazon ansehen *

Focusrite Scarlett Solo (4. Generation) – wenn eine Quelle reicht

delamar gibt 4,0 von 5 und nennt als einzigen Kritikpunkt, dass die Funktionen „etwas sehr minimalistisch“ ausfallen – was bei einer Quelle genau der Punkt ist. Der Dynamikumfang liegt bei 120 dB, und die vierte Generation hat endlich einen eigenen Kopfhörerregler. Unter Windows ist vor dem Einsatz eine Treiberinstallation nötig, am Mac nicht. Quelle: delamar, „Focusrite Scarlett Solo 4th Gen Test“, 19.11.2023. Scarlett Solo 4. Gen bei Amazon ansehen *

Audient EVO 4 – klanglich stark, mit einem bekannten Haken

4,5 von 5 bei bonedo, gelobt werden Vorverstärker, Wandler und geringe Latenz – 7,55 ms bei 32 Samples und 44,1 kHz, knackserfrei ab 64 Samples. Die AKM-Wandler erreichen 113 dB Dynamikumfang. Ein Loopback-Kanal ist vorhanden. Der einzige Kritikpunkt ist der oben beschriebene: Kopfhörer und Lautsprecher schalten sich gegenseitig stumm. Quelle: bonedo, „Audient EVO 4 Test“, 20.03.2020 – der Test ist älter als zwei Jahre. Audient EVO 4 bei Amazon ansehen *

Audient iD4 MkII – wenn der Klang wichtiger ist als die Ausstattung

Das Fazit des Tests ist knapp: „Das iD4 MKII klingt erwachsen!“ – 4,5 von 5. Belegt sind 121 dB Dynamik auf der Wandlerseite, 126 dB auf der Ausgangsseite und ein Frequenzgang von ±0,5 dB zwischen 10 Hz und 40 kHz. Dem steht eine bewusst „puristische Ausstattung“ gegenüber: ein Mikrofoneingang, zwei Kopfhörerbuchsen, die sich aber nur gemeinsam regeln lassen. Wer Stereoquellen aufnehmen will, ist hier falsch. Quelle: bonedo, „Audient iD4 mkII Test“, 04.05.2021 – älter als zwei Jahre. Audient iD4 MkII bei Amazon ansehen *

Behringer UMC204HD – der günstige Einstieg mit Einschränkungen

4,0 von 5 bei bonedo, mit „rauscharmen Preamps“, neutralem Klang und robuster Verarbeitung. Die Roundtrip-Latenz liegt knapp unter 7 ms bei 64 Samples. Zwei Kritikpunkte solltest du kennen: Der Phantomspeisungsschalter sitzt auf der Rückseite, und bei 56 dB Gain stößt man mit gainhungrigen dynamischen Mikrofonen an die Grenze. Zum kleineren UMC202HD gibt es in den ausgewerteten Medien keinen eigenen Test. Quelle: bonedo, „Behringer U-Phoria UMC204HD Test“, 30.07.2020 – älter als zwei Jahre. Behringer UMC204HD bei Amazon ansehen *

Arturia MiniFuse 2 – die Höchstwertung mit leerer Contra-Liste

delamar vergibt 5,0 von 5 bei komplett leerer Contra-Liste. Belegt sind 110 dB Dynamikumfang, ein äquivalentes Eingangsrauschen von -129 dB und eine niedrigste Roundtrip-Latenz von 4 ms. Zwei Ausstattungsdetails sind ungewöhnlich für die Klasse: ein USB-Hub-Anschluss auf der Rückseite und echtes 5-Pol-MIDI. Loopback ist an Bord, die Phantomspeisung allerdings nur global für beide Kanäle. Quelle: delamar, „Arturia MiniFuse 2 Test“, 20.01.2022 – älter als zwei Jahre. Arturia MiniFuse 2 bei Amazon ansehen *

MOTU M2 – saubere Wandler, starres Routing

4,5 von 5 bei delamar für „extrem saubere Vorverstärker und Wandler“. Verbaut sind ESS-Sabre32-Ultra-Wandler, ausgangsseitig 120 dB Dynamikumfang. Bei der Latenz bestätigte der Test die Herstellerangabe und maß „teils sogar in unter 2,5 Millisekunden“. Der Preis dafür ist das eingeschränkte Routing: Monitor- und Kopfhörerausgang geben zwingend dasselbe Signal aus. Loopback funktioniert nur mit dem hauseigenen Treiber. Quelle: delamar, „MOTU M2 Test“, 05.11.2020 – älter als zwei Jahre. MOTU M2 bei Amazon ansehen *

M-Audio M-Track Duo – das Minimum für dynamische Mikrofone

4,0 von 5 bei bonedo für neutrale Vorverstärker und guten DI-Sound. Mit 60 dB Gain erreicht das Duo genau die Schwelle, die der Test selbst für dynamische Mikrofone nennt – das kleinere Solo mit 54 dB nicht. Zwei Einschränkungen: die maximale Abtastrate liegt bei 48 kHz, und im obersten Zehntel des Reglers setzt deutliches Rauschen ein. Quelle: bonedo, „M-Audio M-Track Solo & M-Track Duo Test“, 11.01.2021 – älter als zwei Jahre. M-Audio M-Track Duo bei Amazon ansehen *

SSL 2 MK2 – das einzige Gerät mit aktuellem Test

Erwähnenswert, weil es als einziges Gerät im Feld ein Testurteil aus jüngerer Zeit hat: delamar vergibt 4,5 von 5 und hält fest, die Vorverstärker arbeiteten „rauschfrei“. Gegenüber der ersten Generation stieg der Gain von 62 auf 64 dB und die Ausgangsdynamik von 112 auf 120 dB. Einziger Kritikpunkt im Test: kein Ein-Aus-Schalter. Das Gerät liegt oberhalb der übrigen hier genannten und ist bei Amazon.de derzeit nicht zuverlässig gelistet, deshalb steht hier kein Link. Quelle: delamar, „SSL2 MK2 Test“, 15.01.2025.

Wovon die Tests eher abraten

Drei Geräte tauchen in Einsteigerlisten regelmäßig auf, bekommen in den Tests aber deutlich schwächere Noten. Das heißt nicht, dass sie unbrauchbar sind – aber du solltest wissen, worauf du dich einlässt.

  • Steinberg UR22C – 3,5 von 5. Der DSP-Chip für latenzfreie Monitoring-Effekte und die Alubauweise sind stark, die Vorverstärker laut Test aber „etwas schwach“. An USB-2.0-Ports braucht das Gerät ein externes Netzteil. bonedo, 25.11.2019.
  • RØDE AI-1 – 3,5 von 5. Sauberer Klang und kräftiger Kopfhörerverstärker, aber nur 45 dB Gain, kein Software-Mixer, und trotz USB-C läuft es nicht an Smartphone oder Tablet. bonedo, 26.04.2018.
  • PreSonus AudioBox USB 96 – 3,5 von 5. Das Fazit lautet wörtlich „Ja, aber nur bedingt“, begründet mit dem fehlenden Line-Eingang. Der Tester maß außerdem 52 dB Gain statt der im Handbuch genannten 60 dB. bonedo, 23.10.2020.
  • NI Komplete Audio 1 / 2 – 4,0 von 5 und solide, aber mit 50 dB Gain für dynamische Mikrofone zu knapp. Der Tester empfiehlt bei den beiden ausdrücklich das größere Audio 2. bonedo, 19.03.2019.

Wann du kein Audio-Interface brauchst

Ein Interface lohnt sich, sobald du ein XLR-Mikrofon, eine E-Gitarre direkt oder mehrere Quellen aufnehmen willst. Wenn du nur sprichst, streamst oder erste Gesangsskizzen machst, reicht oft ein USB-Mikrofon, das direkt am Rechner hängt. Und wer ausschließlich mit virtuellen Instrumenten arbeitet, kommt mit einem MIDI-Keyboard und guten Kopfhörern zunächst ganz ohne Interface aus. Wie du zwischen USB und XLR entscheidest, steht in „Mikrofon kaufen: worauf du wirklich achten musst“.

Was diese Tests nicht beantworten

Zur Einordnung gehört, was hier fehlt. Ich habe keines dieser Geräte selbst im Einsatz – dieser Artikel wertet veröffentlichte Testberichte aus und ordnet sie nach der Frage, die vor dem Kauf zählt. Wo ich Messwerte nenne, stammen sie aus den verlinkten Tests.

  • Die meisten Urteile sind älter als zwei Jahre. Nur der SSL-2-MK2-Test stammt aus 2025. Hersteller ändern Firmware, Treiber und manchmal stillschweigend die Bestückung.
  • Messwerte sind Einzelgeräte. Ein gemessener Gain-Wert gilt für das Testexemplar, nicht garantiert für jedes Gerät der Serie.
  • Treiberlage ändert sich. Mehrere der genannten Einschränkungen – Windows-Treiber nötig, Loopback nur mit Herstellersoftware – können mit einem Update anders aussehen. Prüf das vor dem Kauf auf der Herstellerseite.
  • Preise stehen hier bewusst nicht. Sie ändern sich zu schnell, als dass eine Zahl im Text länger als ein paar Wochen stimmen würde.

Und dann?

Das Interface ist selten die letzte Anschaffung. Wenn die Wahl steht, lohnt sich der Blick auf das, was dahinter kommt: das passende Mikrofon, Kopfhörer zum Abhören und der Aufbau des Heimstudios insgesamt. Wie du danach sauber aussteuerst, steht im Beitrag zum Gain Staging; wie du deine erste Gesangsaufnahme nicht nach Schlafzimmer klingen lässt, im Beitrag über Gesang zu Hause aufnehmen.

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